Das Profil der Blaskapelle Gemmingen

Die Blaskapelle Gemmingen, gegründet 1961, besetzt mit ihrer Musik und ihren Veranstaltungen einen wichtigen Platz im Kulturschaffen der Gemeinde Gemmingen und in der Umgebung. Die aktiven Musiker aus Gemmingen, Stebbach und aus Nachbargemeinden, sind in einem Alter von 14 bis 65 Jahren, wobei der Schwerpunkt schon immer bei den jüngeren Lebensaltern liegt. Die Musiker besetzen nahezu vollständig die einzelnen Register eines Blasorchesters (Holzblasinstrumente, "kurzes Messing" und "tiefes Blech"). Die Blaskapelle Gemmingen wird geleitet von ihrem Vorstandsvorsitzenden Andreas Wild, ihrem Dirigenten Werner Werosta, sowie dem Leiter der Bläserklassen und des Schülerorchesters Jürgen Siedl.

DIE ERSTEN JAHRE: ENTSTEHUNG UND AUFGABEN DER BLASKAPELLE GEMMINGEN

Die Blaskapelle Gemmingen wurde 1961 als Katholische Blaskapelle Gemmingen gegründet. Die erste Probe mit 16 Musikern fand am 14. Juli 1961 unter der Leitung von ihrem Dirigenten Herrn Otto Kotsch, senior statt. Der Name Otto Kotsch (sowohl Vater als auch Sohn) war über lange und erfolgreiche Jahre eng mit der Blaskapelle Gemmingen verbunden.

Wie ihr damaliger musikalischer Leiter waren die Musiker der ersten Stunde zum größten Teil Heimatvertriebene. Materielle und ideelle Hilfe hat in dieser Zeit vor allem die katholische Kirchengemeinde unter ihrem Pfarrer Karl Funk geleistet. Die o.g. Gründungsbezeichnung verdeutlicht, dass die katholische Blaskapelle einen Schwerpunkt im kirchlichen Bereich hatte. So wurden Hl. Messen, Festgottesdienste und Bazare musikalisch mitgestaltet. Einen Höhepunkt bedeutete stets die Mitwirkung bei der Fronleichnamsprozession. Über die Mitwirkung an Fronleichnam wird bis heute ohne Unterbrechung die Verbundenheit zwischen Blaskapelle und der katholischen Kirchengemeinde bestätigt.

Die Blaskapelle Gemmingen ist Mitte der sechziger Jahre schnell um 10 Musiker auf 26 angewachsen. Zusätzlich zu den kirchlichen Aufgaben übernahm die Blaskapelle Aufgaben im kulturellen Leben der Gemeinde Gemmingen. So war die Blaskapelle Gemmingen z.B. über lange Jahre hinweg musikalischer Gast der Feuerwehr Gemmingen bei deren Fest am 1. Mai am Weinsberger Jägerhaus.

Ein hervorzuhebender erster wichtiger Auftritt war die Mitwirkung bei der 1200-Jahr-Feier der Gemeinde Gemmingen im Jahre 1969. Nicht lange nach der 1200-Jahr Feier wurde der formale Schritt einer Vereinsgründung vollzogen und der Name von "Katholische Blaskapelle" in "Blaskapelle Gemmingen" geändert. In dieser Zeit begann auch die aktive Mitarbeit im Blasmusikverband.

Das zehnjährige Jubiläum feierte die Blaskapelle Gemmingen 1971 mit einem Festbankett und einem viertägigen Musikfest. Damals wirkten neben den Musikvereinen der Nachbargemeinden auch die Gemminger Vereine und Chöre mit: Der Posaunenchor Gemmingen, der Männergesangsverein "Eintracht", die Gymnastikabteilung des Sportvereins und der evangelische sowie katholische Kirchenchor.

MUSIKALISCHE HÖHEPUNKTE IN DEN 70er UND 80er JAHREN -

DAS GÄRTNERHAUS ALS NEUES VEREINSHEIM

In der darauffolgenden Zeit übergab Otto Kotsch, senior die Leitung an seinen Sohn Otto Kotsch, junior, welcher über eine lange und erfolgreiche Zeit der Blaskapelle als musikalischer Leiter vorstand (1973 - 1989). In seine Zeit fallen viele erfolgreiche Teilnahmen an Wertungsspielen des Blasmusikverbands auf Bezirks- und Landesebene, wobei der Blaskapelle oftmals ein erster Rang mit Auszeichnung verliehen wurde. In diesen Kontext gehören eine Reihe hervorragender Frühlingskonzerte. Das erste Frühlingskonzert wurde 1978 veranstaltet. Zu diesen Konzerten wurden aus Oper, Fernsehen, Radio und Rundfunk bekannte Musiker eingeladen. Dazu gehörten der Klarinettist Norbert Meyer, der Dirigent Hubert Wolf und vor allem der Posaunist Prof. Paul Schreckenberger. Herr Prof. Schreckenberger war damals Professor für Posaune an der Musikhochschule Mannheim und hatte zeitweise sogar eine eigene „Gemminger Posaunenklasse“ mit Otto Kotsch, junior, Friedrich Hofner, Herbert Rudi,.Holger Schinko und Otto Schmidt.

Das zwanzig- und das fünfundzwanzigjährige Jubiläum wurden 1981 und 1986 ebenfalls mit Festbankett und Festkonzert sowie Musikfest gefeiert. Das zwanzigjährige Jubiläum war damals gleichzeitig das 4. Leintalmusikfest. Noch vor den beiden Jubiläen war die Blaskapelle auf der Suche nach einem neuen Domizil. Glücklicherweise entschied sich die Gemminger Gemeindeverwaltung, damals unter der Leitung von Herrn Bürgermeister Werner Reiner, der Blaskapelle Gemmingen eine Hälfte des Gärtnerhauses des Gemminger Schlosses zur Verfügung zu stellen. Für diese Entscheidung soll an dieser Stelle nochmals herzlich gedankt werden.

Das neue Domizil wurde unter dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Herrn Norbert Völkel (Architekt wie sein Vater Rudolf Völkel) mit nicht wenig Eigenleistung umgebaut, eingeweiht und dem Probenbetrieb übergeben.

Neben ihren Aufgaben in Gemmingen und Umgebung hatte die Blaskapelle Gelegenheit in Radio und Fernsehen aufzutreten. In diesem Zusammenhang sind die Mitwirkungen bei der "Landesschau auf Achse" des SDRs (mittlerweile SWR) und bei der SDR 1 - Sendung "Sang und Klang aus Stadt und Land" zu nennen.

KRISE, NEUANFANG UND NEUE ERFOLGE

Der 30. Jubiläumstag der Blaskapelle wurde von einer kleinen Krise begleitet. Grund dafür waren zahlreiche Abgänge, welche damals gravierende Lücken hinterließen. Hierbei wurde die Blaskapelle mit den modernen Anforderungen des Arbeitsmarkts konfrontiert. Nicht wenige Musiker hatten damals etwa zeitgleich ein Studium absolviert und danach Arbeitsplätze angetreten, welche nicht zwangsläufig in der Nähe von Gemmingen lagen und einen Wohnungsumzug mit sich brachten.

Die mühevolle Aufbauarbeit wurde von Friedrich Hofner begonnen, der zuvor als Posaunist in der Blaskapelle mitwirkte. Er wurde von Werner Werosta abgelöst. Die Erfolge seit den späten neunziger Jahren beweisen, dass die Krise seit langem überwunden ist und die Blaskapelle an ihre früheren Erfolge anknüpfen und sie sogar übertreffen kann.

 

Die Blaskapelle nutzt nach wie vor die Räumlichkeiten im Gärtnerhaus. Dem ursprünglichen Umbau ist ein weiterer gefolgt, der u.a. zu einem größeren Proberaum geführt hat.

 

DIE BLASKAPELLE GEMMINGEN HEUTE

KONZERTE UND VERANTSTALTUNGEN

Die Blaskapelle Gemmingen bietet Jahr für Jahr ein Programm aus festen Konzerten und Veranstaltungen:

 

(1)     Frühlingskonzert in der Festhalle in Stebbach im März oder April

(2)     Egerländerkonzert im Schlosspark Gemmingen im Juni

(3)     Parkfest oder Sommerfest im Schlosspark Gemmingen im Juli oder August

(4)     Fahrt nach Dunavarsány, der ungarischen Partnergemeinde von Gemmingen im Mai oder Juni

(5)     Bayrischer Abend in der Festhalle Stebbach (02. Oktober)

(6)     Weihnachtsmarkt Rathaus Gemmingen

(7)     Adventskonzert in der Evangelischen Kirche Gemmingen am 3. Advent

(8)     Sonnwendfeier in Gemmingen (Wintersonnwende)

 

„Back to the Roots“: Mit den Egerländerkonzerten im Schlosspark knüpft die Blaskapelle an ihre Anfangszeit in den sechziger Jahren an. Teilweise wird sogar Notenliteratur aus der Anfangszeit der Blaskapelle verwendet, wie z.B. „Dompfaff“. Die Blaskapelle hat von einem Förderer eine Tracht gesponsert bekommen, welche die Egerländermusik in passender Weise unterstreicht.

 

Dunavarsány ist die ungarische Partnergemeinde von Gemmingen und liegt ca. 20 km südlich von Budapest. Der Kontakt begann in der Zeit des 40-jährigen Jubiläums der Blaskapelle Gemmingen. Seit dieser Zeit war die Blaskapelle viele Male zu Gegenbesuchen in Dunavarsány. Mittlerweile kennen die Gemminger sehr gut alle Sehenswürdigkeiten in und um Budapest und Dunavarsány. Für Dunavarsány sind besonders die Donauschwäbische Volkstanzgruppe und die Musikkapelle Heimatklang zu nennen.

 

Auf dem Gemminger Weihnachtsmarkt ist die Blaskapelle regelmäßig mit einem eigenen  Stand vertreten. An den Adventssonntagen und an Hl. Abend spielt die Blaskapelle ein Platzkonzert mit adventlichen und weihnachtlichen Weisen. Der Standbetrieb bringt manchmal auch besondere Herausforderungen mit sich: Im Advent 2007 wurde das Dach durch den Sturm losgerissen. Durch den engagierten Einsatz der Vereinsmitglieder konnte der Schaden schnell behoben werden.

 

Das „Standard-Programm“ der Blaskapelle dient als Rahmen für einmalige oder unregelmäßig wiederkehrende Zusatzkonzerte und Sonderveranstaltungen, wie z.B.:

 

(1)     11. Platz Europameisterschaft der Mährischen Blasmusik in Empfingen (2007)

(2)     Ernst Hutter Workshop der Blaskapelle Gemmingen (2007)

 

Die Blaskapelle Gemmingen hat 2007 an der Europameisterschaft der Mährischen Blasmusik in Empfingen mit beachtlichem Erfolg teilgenommen. Sie hatte Gelegenheit sich vor einer hochkarätig besetzten Jury mit Märschen, Polkas und Walzern zu präsentieren. Mitglieder der Jury waren u.a. Franz Watz und Freek Mestrini.

 

Ebenfalls 2007 hat ein Ernst Hutter Workshop der Blaskapelle Gemmingen stattgefunden. Der Posaunist (und auch Tenorhornist) Ernst Hutter leitet die Egerländer Musikanten, welche aus Ernst Mosch und seine(n) Original Egerländern hervorgegangen sind. 1985 hatte ihn Ernst Mosch in seinem Orchester engagiert. Ernst Hutter spielte Tenorhorn und ist auf zahlreichen Produktionen auch als Solist zu hören. 1987 wurde er zusätzlich ins Südfunk-Tanzorchester als Posaunist berufen. In der SWR-Big-Band besetzt er noch heute die Stelle als Leadposaunist. Auch hier folgte er Ernst Mosch, welcher in den 1950/60er-Jahren Leadposaunist im Südfunk-Tanzorchester war. (Quelle und Links: http://www.die-egerlaender-musikanten.de/ oder http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Mosch). Im Rahmen des Workshops wurden beachtliche Effekte und Perspektiven ausgearbeitet und zwar auch bei Musikstücken, welche von der Blaskapelle schon sehr häufig gespielt wurden. So wurden Unvollkommenheiten abgestellt und neue Spielweisen hinzuentwickelt. Als Abschluss des zweitägigen Workshops stellte die Blaskapelle Gemmingen unter der Leitung von Ernst Hutter die Ergebnisse in einem Konzert in der Festhalle Stebbach vor. Überzeugen Sie sich selbst bei den Egerländer-Konzerten der Blaskapelle Gemmingen regelmäßig im Juni im Gemminger Schlosspark von der nachhaltigen Wirkung des Workshops.

BLÄSERKLASSEN

Bläserklassen an der Wolf-von-Gemmingen-Grundschule existieren seit 2006. Es gibt an der Schule zwei Bläserklassen mit jeweils der 3. und 4. Klasse. Die Bläserklasse basiert auf einer Kooperation zwischen Schule, Musikschule und Blaskapelle. Die Schüler einer Bläserklasse lernen ein Blech- oder Holzblasinstrument oder Schlagzeug. Für die Schüler besteht der Vorteil in einem zusätzlich Ausbildungsangebot, welches weit über den herkömmlichen Musikunterricht hinausgeht. Die Blaskapelle wiederum hat die Möglichkeit, die Schüler der Bläserklasse später in die Blaskapelle zu integrieren. Von Seiten der Blaskapelle werden die Schülerklassen und das Schülerorchester von Herrn Jürgen Siedl betreut und geleitet. Er hat 2008 sogar das Jugendorchester abgegeben, um sich noch mehr um Bläserklassen und Schülerorchester kümmern zu können. Wenn Ihr Kind in die 1. oder 2. Klasse der Wolf-von-Gemmingen-Grundschule geht, informieren Sie sich bitte über die Möglichkeiten der Bläserklassen.

PERSONEN

Stellvertretend für alle aktiven und passiven Vereinsmitglieder sollen an dieser Stelle bestimmte Personen kurz vorgestellt werden. Übrigens bezieht sich die Bezeichnung „aktiv“ und „passiv“ nur darauf, ob ein Instrument gespielt wird oder nicht. Es gibt einige passive Mitglieder, die mit ihrem Einsatz denjenigen von aktiven Mitgliedern weit übertreffen.

 

Herr Bruno Kotsch ist seit Gründung der Blaskapelle also seit der ersten Probe am 14. Juli 1961 festes Mitglied der Blaskapelle. Er ist der älteste Sohn des Gründers und ersten Dirigenten der Blaskapelle Herrn Otto Kotsch, senior. Herr Bruno Kotsch hat 1961 mit Flügelhorn begonnen, spielt mittlerweile bereits viele, viele Jahre Tuba. Die langjährige Verbindung der Familie Kotsch mit der Blaskapelle setzt sich fort, indem auch Herrn Kotschs Tochter Larissa Kotsch in der Blaskapelle als Posaunistin (und Klarinettistin) mitwirkt.

 

Herr Florian Otto spielt bereits mehrere Jahre Schlagzeug in der Blaskapelle Gemmingen. Auf Florian Otto ist die Blaskapelle besonders stolz, denn er hat bereits mehrfach Preise auf den Jugend-Musiziert-Wettbewerben errungen.

 

(1)     Bundessieger  bei Jugend Musiziert mit dem Schlagzeugsextett der Musikschule Bretten Ende 2006 in Freiburg mit Ehrung durch Ministerpräsident Günther Oettinger im Neuen Schloss Stuttgart.

(2)     Zweiter Platz beim Landeswettbewerb Jugend Musiziert in der Kategorie Schlagzeug im März 2007 in Tübingen.

 

Zusätzlich ist Herr Otto über verschiedene Lehrgänge (D3, C1) der Musikakademien des Blasmusikverbands für die Leitung von Orchestern qualifiziert. Florian Otto übernahm 2008 die Leitung des Jugendorchesters von Herrn Jürgen Siedl. Darüber hinaus ist Herr Otto Musikmentor des Kreismusik-Blasmusikverbands Heilbronn.

 

Abschließend sei allen Freunden, Gönnern, Förderern und Sponsoren, den aktiven Musikern und den stets mithelfenden Vereinsmitgliedern der Blaskapelle Gemmingen ganz herzlich gedankt. Dem Dirigenten Werner Werosta, dem Leiter der Bläserklassen und des Schülerorchesters Jürgen Siedl, dem Dirigenten des Jugendorchsters Florian Otto und dem Vorstandsvorsitzenden Andreas Wild, welche alle mit viel Elan, Einsatz und Begeisterung die Weiterentwicklung der Blaskapelle vorantreiben, sei an dieser Stelle ganz besonders herzlich gedankt.

 

Dr. Bernhard Wild